tanznetz [in German]

Urzeit und Zukunft - Jetzt!

by Marieluise Jeitschko, November 23rd 2014

 

Johannes Wielands vorangestellte Choreografie "Science! Fiction! Now!" wirkt wie eine Variation in anderer Sprache, ist dem Dialekt und der Dialektik des Deutschen Tanztheaters sehr nah. Um das Hier und Heute geht es ihm, aber auch um die Zukunft der Menschen. Auch diesmal zum Auftakt im Finstern ein Donnerschlag, gefolgt von einer wesentlich eingängigeren Musikcollage als bei Shechter. Auch diesmal steht zu Beginn ein einzelner (Ákos Dózsa) auf der Bühne. Im Zeitraffer, mit stroboskopischem Effekt, führt Wieland ihn aus den Kulissen an die Rampe. Da steht er, lachend und weinend zugleich, mischt sich bald unter die auftretenden anderen mit einem furiosen Solo. In einem gewaltigen, schweißtreibenden Crescendo fährt Wieland alle Facetten und Finessen moderner Tanztechnik auf, von Reminiszenzen an Pina Bausch (mit Diven am Mikrofon und Gräber schaufelnden, buddelnden "Wissenschaftlern") bis hin zu Elementen des Hip-Hop. Schmusende Paare, lasziv flüsternde Damen in hauchzarten Kleidchen, dynamische Jungs in Alltagsklamotten (Kostüme: Evelyn Schönwald) sorgen - bei allem Ernst des Themas - für viel Unterhaltung. Beeindruckend, was diese kleine Kompanie drauf hat, wie sie sich verausgabt, welche Vielseitigkeit - von Hans Werner Henzes "Orpheus" bis Hofesh Shechter! - sie samt ihrem Chefchoreografen in diesen acht Jahren erarbeitet hat!